Produktivität steigern, Compliance sichern, Zukunft gestalten.
Ein Interview mit Tobias Stomberg, IT-Leiter der VR Factoring GmbH
Warum beschäftigt sich die VR Factoring gerade jetzt mit Generativer KI?
Aktuell nutzen gemäß DESI-Index nur rund 11 % der Unternehmen in Europa eine KI-Lösung, sodass frühe Anwenderunternehmen einen Wettbewerbs- und Lernvorsprung erlangen können. Zudem weist die VR Factoring einen hohen Anteil kognitiver Tätigkeiten und somit ein großes Potential für Produktivitätssteigerungen auf. Viele unserer Prozesse sind dokumenten- und wissensintensiv, sodass sich die Unterstützung durch den Einsatz Generativer KI anbietet, um einen nachhaltigen Mehrwert zu schaffen, früh Erfahrungen zu sammeln und unsere IT-Strategie dementsprechend zukunftsfähig auszurichten.
Welche Herausforderungen existieren beim Einsatz von Generativer KI und wie geht die VR Factoring damit um?
Die größte Herausforderung stellt aus meiner Sicht nicht die Technologie in Form von Intransparenz oder Halluzinationen dar, sondern der organisatorische und kulturelle Umgang mit ihr. Insbesondere Regulatorik, Datenschutz und Compliance sind für uns als Finanzinstitut Dauerbrenner und wenn wir diese Themen aktiv adressieren, wird Generative KI zum Wettbewerbsvorteil. Für mich als IT-Leiter stellte sich in diesem Zusammenhang die zentrale Frage, wie wir Generative KI verantwortungsvoll, risikobewusst und schrittweise einsetzen können. In Konsequenz haben wir einen klar umrissenen Proof of Concept mit einer KI-Plattform gestartet, um den fachlichen Nutzen bei konkreten Anwendungsfällen, die technische Machbarkeit und die organisatorische Tauglichkeit nachzuweisen, bevor wir Generative KI flächendeckend bereitstellen.
Wie zahlt dieses Vorgehen auf Ihre IT-Strategie ein?
Die Nutzung von Generativer KI ist ein wesentlicher Handlungsstrang unserer IT-Strategie und verfolgt das Ziel, die Wissensarbeit in der VR Factoring zu unterstützten und die Potentiale dieser Basistechnologie zu heben. Mit der Bereitstellung einer zentralen KI-Plattform integrieren wir diese in unser Governance-Modell und definieren Richtlinien für Zugriffe und für Verantwortlichkeiten. Als IT-Organisation nehmen wir in diesem Kontext eine beratende Rolle ein und fungieren nicht als reine Supporteinheit, sondern als Enabler. Letztendlich steigern wir durch den Einsatz aktueller Technologien und durch eine moderne Arbeitsweise auch unsere Arbeitgeberattraktivität und tragen positiv zur Unternehmenskultur bei.
Gibt es bereits positive Erkenntnisse im Zuge des Proof of Concepts?
Wir konnten die KI-Plattform schnell in unsere bestehende Infrastruktur integrieren und sicherstellen, dass unsere Daten das geschützte Umfeld nicht verlassen. Besonders positiv ist, dass wir über verschiedene Modelle und Wissensquellen zentral steuern können und so keine Schatten-IT mit einzelnen KI-Tools entsteht. Nach der ersten Phase zeigt der Proof of Concept, dass wir mit überschaubarem Aufwand spürbare Produktivitätsgewinne erzielen können, ohne Abstriche bei Sicherheit und Compliance machen zu müssen. Nun können unsere Fachbereiche die KI-Plattform eigenständig erkunden und mit Unterstützung der IT-Abteilung konkrete Anwendungsfälle Schritt für Schritt erproben.
Wie lautet das persönliche Fazit als IT-Leiter und wie könnte eine Empfehlung für andere Unternehmen lauten?
Generative KI ermöglicht völlig neue Arten von Services und Produkten und stellt gleichzeitig hohe Anforderungen an Governance und Compliance. Zudem verschiebt sie das Rollenbild der IT von unterstützenden Systembetreiber hin zum Enabler für Innovation. Anderen Unternehmen, die am Beginn der KI-Reise stehen, würde ich drei Dinge empfehlen:
1.
Anwendungsfälle mit einem hohen Wissensanteil definieren und einen Proof of Concept bewusst gemeinsam mit den Fachbereichen durchführen.
2.
Governance und Compliance von Beginn an betrachten und die Verantwortlichen für Datenschutz und Informationssicherheit zu Beteiligten machen.
3.
Auf eine KI-Plattform setzen, die Enterprise-Anforderungen ernst nimmt und Hosting nach EU-Standard gewährleistet.





